Wie wir lernen, wenn wir lernen
Seit bekannt ist, dass 2016 in Brasilien seit mehr als 120 Jahren Pause Golf wieder als olympische Sportart zum Einsatz kommen wird, heftet sich auch der ÖGV „Olympia 2016“ als vorrangig erklärtes Ziel auf die Fahnen.
Bereits 2003 bis 2007 wurde mit den Trainern Gordon Manson, Max Baltl, Richard Austin und Thomas Gmoser in Zusammenarbeit mit dem Technikum Wien/SET bereits richtungsweisende Trainingsoptimierung im Bereich des koordinativen Trainings betrieben. Nun soll diese Trainingsanalyse wieder verstärkt mit dem jetzigen Nationaltrainer Fredrik Jendelid eingesetzt werden.
Ein Hauptaspekt liegt dabei auf der Schulung der koordinativen Fähigkeiten. Balancetraining mit stabilem oder instabilem Untergrund, mit geschlossenen oder offenen Augen, mit und ohne Golfschläger sowie die Kombination dieser Varianten fördern das Training der posturalen Feedbackpfade und somit die koordinativen Fähigkeiten. Je höher der Trainingszustand ist, umso größer ist auch der Automatisierungsgrad, um auf die Gegebenheiten am Platz, nicht zuletzt bei schwierigen Balllagen, adäquat reagieren zu können. Dieser Automatisierungsgrad ist im Golfsport einer der wesentlichen Unterschiede zwischen Amateuren und Profis.
Das Ziel: Optimale Bewegungsmuster
Beim motorischen Lernen kennt man folgende drei Phasen: erstens die kognitive Phase, dann die assoziative Phase und zuletzt die automatische Phase. Das Wesentliche beim Erlernen neuer Bewegungsabläufe ist die Aneignung der zeitlich richtigen Koordination zu optimalen Bewegungsmustern. Es gilt die Faustregel „Wir lernen durch Tun und tun nur, was wir gelernt haben!“. Alle Fertigkeiten werden im Laufe der Entwicklung entsprechend dem jeweiligen Reifegrad des Zentralnervensystems erlernt.
Für eine korrekte Bewegungssteuerung benötigt das Zentralnervensystem Informationen durch folgende drei Kanäle des posturalen Systems: visuell (optisch), somatosensorisch (Sensoren in Muskeln, Sehnen und Gelenken) und vestibular (via Gleichgewichtsorgan im Ohr). Das Zentralnervensystem führt anhand der Feedbackinformationen einen Abgleich mit der „gespeicherten“ idealen Haltung durch –siehe Grafik. Subjektiv ideale Haltungen verfestigen sich im Zentralnervensystem durch häufige Durchführung bestimmter Bewegungsabläufe, welche mit jeder Wiederholung immer mehr als eine Art Muster (Input) für Folgebewegungen auf Abruf bereitstehen. Einschränkungen des posturalen Systems, wie zum Beispiel falsche Körperhaltung oder Verletzungen führen zu Informationsverlusten und in weiterer Folge auch zu falschem Schwungverhalten. Eine Verbesserung der Bewegungskoordination führt zu mehr Stabilität und optimiertem Schwungverhalten.
Anton Sabo (r.) und Technikum-Wien-Absolvent Armin Rockenschaub (GC St. Oswald Anm. Red.) bei der Demonstration der Posturographie. Für Österreich, und hier speziell für den Golfsport, besteht mit dem Know-how der FH Technikum Wien die Möglichkeit, eine neue Methodik – weltweit führend – einzusetzen!
Weltweit führende Methodik made in Austria!
Zusammengefasst kann Koordinations-training, bzw. sensomotorisches Training Folgendes bewirken: Verbesserte posturale Stabilität und dadurch Sturzprävention, natürliche Körperhaltung, schnellere Reflexe im gesamten Muskelsystem, optimale koordinative Trainingsschulung im Spitzensport, mögliche Langzeitvorbeugung gegen die Volkskrankheit Rückenschmerzen, Gelenkserkrankungen etc. und nicht zuletzt neue Rehabilitations-Chancen.
Das Forschungsteam arbeitet derzeit an einer neuen Entwicklung mit spezieller „Instabilität“, optimierten Parametern und einer „Expertenversion“. Das Endziel nach der Normdatenfindung und der Individualanalyse ist die Methodik-Analyse, mit der individuell für jeden ein auf ihn angepasstes Training erstellt wird. Für Österreich und hier speziell für den Golfsport, besteht daher die Möglichkeit, eine neue Methodik – weltweit führend – einzusetzen.
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Vom richtigen Material Drei Komponenten bestimmen den Weg zum Erfolg: Trainingszustand, sportliche Technik und das Sportgerät. Deshalb kann auch nur das individuell optimale Sportgerät den verbesserten Trainingszustand im koordinativen Bereich umsetzen! Bei Kindern und Jugendlichen ist oft zu beobachten, dass mit nicht altersgerechten Golfschlägern gespielt wird. Von der richtigen Schlägerlänge (Schaftlänge) bis hin zu Schaftmaterial, Schaftflex, Schlägerkopf und Griffstärke. Um hier die richtige Entscheidung zu treffen, ist es unbedingt notwendig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Golfschläger mit zu geringem Schlägerkopfgewicht und Fehler verzeihende Schlägerkopfmodelle (Cavity Back) sind nicht unbedingt ratsam. Ein höheres Schlägerkopfgewicht hat einen höheren Kraftaufwand während des Golfschwungs zur Folge. Führt man den Schläger jedoch in einer konstanten Schwungebene, so ist der Kraftaufwand deutlich geringer, als wenn die Schwungebene während des Golfschwungs mehrmals geändert wird. Das Training der richtigen Schwungebene wird mit Schlägern, welche ein höheres Massenträgheitsmoment aufweisen, daher intuitiv geschult. Ausreichend Pausen, eine angemessene Anzahl an Wiederholungen sowie das schrittweise Heranführen beim Erlernen einer neuen Technik durch spielerische Übungen sind gleichermaßen wichtig und wirken sich positiv auf den Lernfortschritt aus. |
Bewegungskoordination Darunter versteht man die zeitliche, räumliche und kraftmäßige Steuerung einer Einzelbewegung oder komplexer Bewegungsvollzüge – auch Stabilität –, die entsprechend durch sensorisch vermittelte äußere Vorgaben oder Ziele zustande kommen. Sie setzt sich unter anderen zusammen aus kinästhetischer Differenzierungsfähigkeit, Reaktionsfähigkeit, Gleichgewichtsfähigkeit, Rhythmisierungsfähigkeit. In der Praxis wird die Bewegungskoordination in der Ordnung und dem Zusammenspiel von Bewegungsphasen oder Teilbewegungen sichtbar.
Posturographie (Gleichgewichtsanalyse) Eine biomedizinische Messtechnik zur Untersuchung der koordinativen Fähigkeiten, die bis vor circa fünf Jahren ausschließlich in der Neuropathologie, zum Beispiel zur Früherkennung von Parkinson, eingesetzt wurde. Seit acht Jahren beschäftigt sich unser Forschungsteam im Technikum Wien damit, diese Messmethode und die daraus gewonnenen Erkenntnisse für den Sport umzusetzen. Bis dato wurden rund 20 Teams verschiedenster Sportarten wie ÖSV-Team, Kitesurfer, Snowboarder, Volleyballer, Schützen, Judokas, Fußballer, etc. gemessen – darunter Welt-, Europaund österreichische Meister. |
Mit freundlicher Genehmigung
BE Perfect Eagle GmbH
